Rincón del lector Alemán Avanzado

 

Vereinigte Staaten  

Erster Ebola-Fall in New York

Für New York wird ein Schreckensszenario wahr: Es gibt einen ersten Ebola-Kranken in der Stadt. Der Arzt hat sich bei einem Hilfseinsatz in Westafrika angesteckt.

Der 33-jährige Mediziner Craig Spencer war vor wenigen Tagen aus Westafrika zurückgekehrt und hatte zuletzt über Fieber und Durchfall geklagt. Er wurde sofort in die Isolierstation des Bellevue-Krankenhauses (Artikelbild) in Manhattan gebracht. Bei Tests bestätigte sich der Ebola-Verdacht.

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio warnte vor Panik und Hysterie: “Es gibt keinen Grund zur Sorge. Wir haben ein starkes Team, und wir sind seit Monaten vorbereitet. Jetzt läuft ab, was wir so oft geübt haben”, betonte der Bürgermeister. Ebola übertrage sich nur durch Körperflüssigkeiten: “Es genügt nicht, im selben U-Bahn-Wagen zu sein oder in der Nähe zu wohnen.” Der Gouverneur der US-Metropole, Andrew Cuomo, erklärte: “Wir hatten alle gehofft, dass dieser Tag nie kommen wird. Aber wir sind hier in New York, und Menschen aus aller Welt kommen zu uns. Diese Nachricht konnte uns nicht überraschen.”

Als Ebola-Helfer in Guinea

Der Mediziner war im September und Oktober für die Hilfsorganisation “Ärzte ohne Grenzen” im westafrikanischen Guinea im Einsatz gegen Ebola. Nach Angaben der New Yorker Gesundheitsbehörden kehrte Spencer am 17. Oktober über den Internationalen Flughafen John F. Kennedy in die USA zurück.

Er selber hatte auf seiner Facebook-Seite angegeben, um den 18. September herum nach Guinea gereist zu sein. Am 16. Oktober sei er nach Brüssel geflogen und von dort weiter in die USA. Die maximale Inkubationszeit bei Ebola beträgt 21 Tage. Infizierte können Ebola erst übertragen, wenn sie bereits Symptome wie Fieber oder Erbrechen zeigen.

Wie die Behörden weiter mitteilten hatte der Arzt seit seiner Rückkehr aus Westafrika nur zu wenigen Menschen Verbindung gehabt. Mit seiner Verlobten sowie zwei Freunden habe Spencer in engem Kontakt gestanden, alle drei seien unter Quarantäne gestellt worden. Niemand von ihnen zeige Ebola-Symptome.

Wohnung versiegelt

Eine der drei Personen befinde sich ebenfalls im Krankenhaus, berichtete die Gesundheitsbeauftragte von New York, Mary Travis Bassett. Für eine vierte Person, einen Taxifahrer, bestehe kein Risiko. Die Wohnung des Mannes im Stadtteil Harlem in Manhattan sei versiegelt worden, so die Behörden weiter. Der Rest des Hauses sei für die Bewohner aber frei zugänglich. Drei Polizisten bewachten es.

Schon 10.000 Infizierte

Die schwerste Ebola-Epidemie in der Geschichte wütet vor allem in Liberia, Sierra Leone und in Guinea in Westafrika. Die Virus-Erkrankung wurde aber auch nach Spanien und die USA eingeschleppt. Im texanischen Dallas steckten sich zwei Krankenschwestern bei der Behandlung eines Ebola-Patienten an. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge haben sich in Westafrika inzwischen etwa 10.000 Menschen infiziert. Etwa die Hälfte der Patienten ist gestorben.

Ebola-Kontrolle an der Grenze von Mali zu Guinea

Kind in Mali infiziert

Auch im bislang von Ebola verschonten westafrikanischen Mali gibt es jetzt einen ersten Krankheitsfall. Es handelt sich um ein zweijähriges Mädchen, das kürzlich mit seiner Großmutter im Nachbarland Guinea unterwegs gewesen sei, teilte das Gesundheitsministerium in Bamako mit. “Jeder, der mit dem Mädchen Kontakt hatte, steht unter medizinischer Beobachtung”, sagte ein Sprecher. Er rief die Bevölkerung zur Ruhe auf, es werde alles getan, um eine Ausbreitung der Krankheit in Mali zu verhindern. Zugleich forderte er die Bürger auf, nicht unbedingt notwendige Reisen in die von Ebola betroffenen Länder und Regionen zu unterlassen.

wl/gmf (dpa, afp, rtr)

21/11/2014

                     Der Aberglaube

         Schwarze Katze sitzt am Fenster, Freitag, der 13.                                         Läuft sie nun nach rechts oder nach links?

 

Reisen Sie an einem Freitag, der auf den 13. eines Monats fällt? Oder kehren Sie sofort um, wenn Ihnen eine schwarze Katze von links nach rechts über den Weg läuft? Tragen Sie immer dieselbe Krawatte zu einem Vorstellungsgespräch, weil Sie Ihnen schon mal Glück gebracht hat?

Dann sind Sie ohne Zweifel abergläubisch.

Beim Aberglauben an die Zahl 13 geht es sogar so weit, dass viele Hotels auf die Zimmernummer 13 verzichten und Fluggesellschaften selten Sitze mit der angeblichen Unglückszahl haben. Dabei gibt es für den schlechten Ruf der Zahl gar keine Beweise.

Aberglaube ist also sowohl die Angst vor nicht nachweisbaren Dingen wie auch das Vertrauen in etwas nicht Erklärbares.

Übrigens: Aberglaube variiert von Land zu Land. In Japan und China ist zum Beispiel die Vier eine Unglückszahl. Und die Italiener fürchten die Zahl 17.

Andere Länder, andere Aberglauben.

Und läuft Ihnen die Katze von rechts nach links  über den Weg, dann verheißt sie                                   – zumindest in Deutschland – Glück!

                     Der Brückentag

        Schlafender Eisbär                                  Ein Brückentag ist genau der richtige Tag für einen Besuch im Zoo.

 

Brückentage gibt es nur wenige im Jahr und in Deutschland erwartet man sie sehnsüchtig.

Denn dann haben die Menschen das Gefühl, tatsächlich kurz Ferien zu haben                                           – auch wenn sie nur vier Tage dauern.

Brückentage finden grundsätzlich freitags oder montags statt, und zwar dann, wenn der Donnerstag oder der Dienstag ein gesetzlicher Feiertag ist. Dann reichen Massen von Arbeitnehmern Urlaub ein, die Schulen geben ihren Schülern frei und ganz Deutschland verreist oder genießt vier schöne Tage im Café, im Bett oder im Schwimmbad.

Der Brückentag ist sozusagen eine Brücke von einem schönen Feiertag in ein erholsames Wochenende. Nur leider geht es am anderen Ende der Brücke immer mit einer anstrengenden Arbeits- oder Schulwoche weiter.

12/12/2014

Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt

Der deutsche Weihnachtsmarkt ist weltberühmt. Deshalb kommen im Dezember Besucher aus vielen Ländern in die Heimat von Lebkuchen und Glühwein, und manchmal treffen sie dann sogar das Christkind.

 

 

In der Vorweihnachtszeit sieht man in deutschen Innenstädten überall Holzbuden, an denen heiße Getränke und Christbaumschmuck verkauft werden. Etwa 1500 große und kleine Weihnachtsmärkte gibt es jedes Jahr in Deutschland. Einige haben eine sehr lange Tradition.

Einer der ältesten Weihnachtsmärkte Deutschlands ist in Dresden. Er findet 2014 zum 580. Mal statt. Die bayerische Kleinstadt Rothenburg ob der Tauber ist wegen ihrer mittelalterlichen Altstadt einBesuchermagnet, dorthin kommen besonders viele Touristen aus Asien. Und beim berühmten „Nürnberger Christkindlesmarkt“ kann man das Christkind treffen, das von einer Frau imEngelskostüm dargestellt wird. 

In den Großstädten können Glühwein-Enthusiasten meist zwischen mehreren Märkten wählen: So gibt es in Köln sogar sieben Weihnachtsmärkte. Auf dem größten Markt am Dom werden in diesem Jahr rund vier Millionen Gäste erwartet – so viele wie sonst nirgendwo in Deutschland. Eins ist auf allen Weihnachtsmärkten gleich: An den vielen Ständen kann man handgefertigtes Spielzeug, Geschenke und regionale Spezialitäten wie zum Beispiel Lebkuchen oder Christstollen kaufen.

„Der Run auf die Weihnachtsmärkte ist ungebrochen“, sagt Hans-Peter Ahrens, der Präsident der deutschen Marktkaufleute. Mittlerweile gibt es auch moderne Ableger mit Autoscootern und Bierständen. 2013 besuchten etwa 85 Millionen Menschen aus der ganzen Welt einen Weihnachtsmarkt. Am schönsten ist es für die Besucher, wenn das Christkind es dann schneien lässt.

Glossar 

Weihnachtsmarkt, -märkte (m.) – ein Markt, der nur in der Weihnachtszeit stattfindet

Lebkuchen, – (m.) – ein Gebäck mit Gewürzen und Honig

Glühwein, -e (m.) – ein für Weihnachten typischer Wein mit Gewürzen, den man warm trinkt

Christkind (n., nur Singular) – eine christliche Symbolfigur des Weihnachtsfestes, meist als → Engel dargestellt

Vorweihnachtszeit (f., nur Singular) – die Zeit vor Weihnachten

Holzbude, -n (f.) – ein kleines Haus aus Holz mit einem Raum (auch: der Stand)

Christbaumschmuck (m., nur Singular) – schöne Dinge wie Kugeln oder Lametta, mit denen man zu Weihnachten den Tannenbaum schmückt

mittelalterlich – bezogen auf eine Epoche der europäischen Geschichte (etwa 500 bis 1500 n. Chr.) 

Besuchermagnet, -en (m.) – hier: ein Ort, an den viele Menschen kommen wollen

Engel, – (m.) – ein himmlisches Wesen in Gestalt eines Menschen mit Flügeln

Enthusiast, -en/ Enthusiastin, -nen (m./f.) – ein Fan; ein Liebhaber

Dom, -e (m.) – eine besonders große und schöne Kirche

handgefertigt – mit den Händen hergestellt; ohne Hilfe einer Maschine gemacht

Spezialität, -en (f.) – eine Sache, die für etwas oder jemanden besonders typisch ist

Christstollen, – (m.) – ein länglicher Kuchen, den man in der Weihnachtszeit isst

Run, -s (m., meist Singular; aus dem Englischen) – hier: der Ansturm; die Nachfrage

ungebrochen – hier: so, dass etwas nicht weniger wird 

Marktkaufleute (nur Plural) – Leute, die auf einem Markt etwas verkaufen

Ableger, – (m.) – hier: eine Variante; eine neue Form

Autoscooter, – (m., Scooter=aus dem Englischen) – ein kleines elektrisches Auto, mit dem man auf dem Jahrmarkt im Kreis fährt

 

27/02/2015

  

 

Frühling, Sommer, Herbst, Winter und … richtig: die fünfte Jahreszeit heißt Karneval! Bei diesem Stichwort denken die meisten Menschen sofort an schöne venezianische Masken  oder an Rio de Janeiro und seine bunten Samba-Gruppen. Sie wahrscheinlich auch, oder?

 Wussten Sie schon, dass die „närrische Zeit“ auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz gefeiert wird? Der Karneval hat bei uns sogar eine besonders lange Tradition. Ein kurzer Blick zurück ins Mittelalter beweist es:

Das lateinische carne vale bedeutet soviel wie „Abschied vom Fleisch“. Damit sind die Wochen zwischen dem Dreikönigstag (6. Januar) und dem Osterfasten gemeint. Nach dem Karneval beginnt im katholischen Glauben die 40-tägige Fastenzeit. Katholische Christen dürfen in dieser Zeit Fleisch und auch einige andere Lebensmittel nicht essen. Ist es ein Wunder, dass die Menschen vorher noch einmal genussvoll essen und trinken wollen?

Die „Fastnacht“, die Nacht vor dem Fasten, dauert sechs Tage lang, vom „unsinnigen Donnerstag“ bis zum „Faschingsdienstag“. In dieser Hochzeit des Karnevals gibt es viel gutes Essen, Wein, Bier und Schnaps. Musikanten spielen auf, es wird gescherzt und getanzt. Die Leute verkleiden sich mit fantasievollen Masken und Kostümen. So können sie während der närrischen Tage allen Leuten die Meinung sagen, auch solchen, bei denen sie sich das sonst nicht trauen würden. In jeder Region, ja sogar in jedem Ort entwickeln sich im Lauf der Jahrhunderte

 eigene Masken und Fastnachtsbräuche.

Für die Kirche zeigt sich im lauten Karneval die verrückte und verkehrte Welt des Teufels. Weil aber gerade im Kontrast dazu die stille Fastenzeit und das Osterfest an Würde und Bedeutung gewinnen, duldet sie ihn.

 Seit dem 19. Jahrhundert lässt der Glaube im deutschsprachigen Raum immer stärker nach. Mit dem Osterfasten verschwindet auch die religiöse Bedeutung des Karnevals. Seine übrigen Funktionen erfüllt er aber weiter. Bis heute verkleiden und maskieren sich viele Menschen gerne. Sie wollen für ein paar Tage oder Wochen ihr Alltagsleben vergessen und in eine andere Rolle schlüpfen. Sie wollen miteinander Spaß haben und feiern. Viele nützen die ausgelassene und freizügige Stimmung auf den großen und kleinen Festen auch für amouröse Abenteuer.

Die „fünfte Jahreszeit“ beginnt am 11. 11. um 11 Uhr und 11 Minuten. In vielen Orten gibt es Karnevalsvereine, die aus ihren Reihen einen Faschingsprinzen und eine Prinzessin wählen. Dieses Prinzenpaar „herrscht“ während des Karnevals über das „Narrenvolk“.

Die Zeit der Maskenbälle und Faschingsfeiern fängt erst nach Neujahr an und erreicht ihren Höhepunkt zwischen dem „unsinnigen Donnerstag“ und dem „Faschingsdienstag“. In vielen Städten gibt es

Karnevalsumzüge . Die größten finden in Köln, Mainz und Düsseldorf

am „Rosenmontag“ statt, dem vorletzten Tag des Karnevals. Am Faschingsdienstag wird noch einmal richtig wild gefeiert, bis kurz vor Mitternacht mit dem „Kehraus“, dem letzten Tanz, der Karneval zu Ende geht.

Am nächsten Tag, dem „Aschermittwoch“ streute man sich früher, zum Zeichen der Reue morgens Asche auf den Kopf und begann mit dem Fasten. Heute dagegen schluckt so mancher eine Kopfschmerztablette und geht  dann zur Arbeit. Die wilden Tage sind zuende und das Alltagsleben geht wieder los.                         Bis zum 11. 11. um 11 Uhr 11.

 

 

27/03/2015

 

Was ihr schon immer über Ostern wissen wolltet …

Am Ostersonntag sucht man in Deutschland die Eier, die der treue Osterhase – wie jedes Jahr – versteckt. Aber woher nimmt der Hase eigentlich die Eier und was hat er mit der christlichen Tradition zu tun?

Ein Kaninchen und bunte Ostereier auf einer Wiese.

Ostern ist ein buntes Fest, das aus verschiedensten Glaubensrichtungen und Bräuchen entstanden ist. Auch wenn heute viele glauben, dieses Fest sei eine rein christliche Tradition, sind seine Ursprünge wesentlich älter. Erst als die Kirche beschloss, anstelle des Frühlingsfests die Auferstehung Jesu Christi zu feiern und Ostern zum bedeutendsten Fest der Christenheit zu machen, wurde das Osterfest mit der christlichen Religion in Verbindung gebracht.

Ostern, so wie wir es heute feiern, hat aber auch viele heidnische Elemente und geht außerdem auf das jüdische Pessachfest zurück, das an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnert. Genauso wie der Termin des Pessachfests richtet sich auch der variable Termin des Osterfests nach dem ersten Frühlingsvollmond.

Das Wort Ostern

Der Name geht vermutlich auf ein heidnisches germanisches Frühlingsfest zurück, das zu Ehren der Göttin der Morgenröte gefeiert wurde. Ihr Name war im Althochdeutschen Ostara, und so kann sie wohl als Namenspatin für unser heutiges “Ostern” gelten. Man nimmt auch eine Verwandtschaft mit dem Wort “Osten” an – der Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs. Denn das Fest wurde immer nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert und sollte den kalten, dunklen Winter vertreiben.

Das Ei

Das Ei scheint schon seit Langem zum Osterfest zu gehören. Bei den Germanen – wie auch bei vielen anderen Völkern – stand es für Fruchtbarkeit, und in der christlichen Theologie steht es für die Auferstehung. So eignet es sich gut als Symbol für die Jahreszeit, in der die Natur aus dem Winterschlaf erwacht und das Leben wieder neu in Schwung kommt.

Eine andere Erklärung für die Tradition des Ostereis ist etwas jünger und hat einen eher praktischen Hintergrund: Während der vorösterlichen Fastenzeit durften die Gläubigen unter anderem keine Eier verzehren. Alle Eier, die während der 40 Tage vor Ostern liegengeblieben waren, mussten also am Ostersonntag gegessen werden.

Lamm und Hase

Ein weiterer Brauch ist das Osterlamm, das wie viele andere christliche Traditionen jüdischen Ursprungs ist. Inzwischen gehört es, ob süß aus Teig oder salzig als Braten, fest zu den Osterfeierlichkeiten in vielen Ländern dazu.

Der Hase, ohne den Ostern heutzutage nicht mehr vorstellbar ist, weil er angeblich für das Bemalen und Verstecken der Eier zuständig ist, wurde erst im 19. Jahrhundert so richtig bekannt: Im Zuge der Industrialisierung wurde auch das Osterfest kommerzialisiert. Der niedliche Hase verkaufte sich sowohl als Spielzeug als auch als Schokoladenfigur gut.

Seine Verbindung zum Frühlingsfest und zu den Eiern besteht vermutlich in der Fruchtbarkeit, die auch ihm zugeschrieben wurde, weil Hasen sich sehr schnell vermehren. Sollte der Osterhase sich dieses Jahr also um seine vielen Kinder kümmern müssen und deswegen keine Zeit haben, euch Ostereier zu bringen, gibt es immer noch Hoffnung: Meistens versteckt er die Eier so gut, dass man immer auch noch das ein oder andere aus dem Vorjahr findet!

                               

23/10/2015

Ein Mann und sein Lebenswerk: Konrad Duden starb vor 100 Jahren

Der Vater der einheitlichen deutschen Rechtschreibung

Er stellte sich dem Flickenteppich der deutschen Sprache entgegen und schuf ein Werk, das Generationen überdauerte. Ein penibler Erbsenzähler war Konrad Duden aber nicht – ganz im Gegenteil.

Ein Mann und sein Lebenswerk: Konrad Duden starb vor 100 Jahren

© Ronald Wittek/DPA

Es war eine lustige Wette: Er werde keinen Satz bilden können, der mit sechs Mal “die” beginnt, spottete Konrad Duden über einen angeberischen Justizrat. Dieser scheiterte tatsächlich – und Duden konnte mit seinem Satz “die, die die, die die Dietriche erfunden haben, verdammen, tun unrecht” fünfzig Flaschen Wein einstreichen. Der am Montag vor 100 Jahren verstorbene Duden war für seinen Sprachwitz und Humor bekannt. Vor allem aber machte er sich als Vater einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung verdient. Ein nicht selbstverständlicher Erfolg, wie zuletzt der verbissene Streit um die 1998 endgültig in Kraft getretene Rechtschreibreform zeigte.

Duden wurde am 3. Januar 1829 auf Gut Bossigt beim niederrheinischen Wesel geboren. Er studierte in Bonn, war Hauslehrer in Frankfurt und Genua, arbeitete in Soest am Gymnasium, bevor er 1869 mit 40 Jahren als Gymnasialdirektor nach Schleiz in Thüringen ging. Die für die damalige Zeit noch wenig verbreitete Mobilität des Lehrers war prägend für ihn. Denn so war er in dem auch nach Gründung des Deutschen Reiches 1871 erst allmählich zu einem Land zusammenwachsenden deutschen Flickenteppich mit ständig wechselnden Rechtschreibungen konfrontiert.

In fast jedem der früher noch mehr als dreißig deutschen Staaten, in fast jedem Verlag und fast jeder Behörde gab es eine eigene Hausrechtschreibung. Dem Schulleiter stieß dies zunehmend sauer auf. Noch an seiner Stelle in Schleiz formulierte er unter dem Titel “Die deutsche Rechtschreibung. Abhandlungen, Regeln und Wörterverzeichnis mit etymologischen Angaben” Rechtschreibregeln. Doch aus dem kleinen Fürstentum Reuß heraus hatte Duden zu wenig Einfluss. So nahm er 1876 das Angebot an, im großen Preußen die Leitung des Gymnasiums Hersfeld zu übernehmen. Zusammen mit seiner Frau Adeline und ihren sechs gemeinsamen Kindern – ein siebtes Kind war nach der Geburt gestorben – zog er nach Preußen.

Netzwerker in Preußen

Im mächtigsten der deutschen Königreiche hatte Duden nun direkten Kontakt zu den Schulbehörden, denen er bald seine Vorschläge unterbreitete. So wurde er 1876 als Experte zur 1. Orthographischen Konferenz nach Berlin eingeladen. Duden vertrat dort eine liberale Linie. “Schreibe, wie du sprichst”, lautete seine Maxime. Dem gegenüber stand das historische Prinzip, das sich an der Schreibung des Mittelhochdeutschen orientierte und von Duden als aristokratisch empfunden wurde. Die Gegensätze waren unüberwindbar, die Konferenz scheiterte.

Statt sich in den Schmollwinkel zurückzuziehen, machte Duden nun Nägel mit Köpfen. Er setzte sich in sein Studierzimmer und verfasste 1880 sein “Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache”. Ein aus 27.000 Stichwörtern bestehendes Kompromisswerk auf Grundlage der preußischen Regeln mit Hinzuziehung der bayerischen Regeln entstand, mit dem sich Duden auf der 2. Orthographischen Konferenz 1901 durchsetzte. Die Regeln wurden 1903 zur amtlichen deutschen Rechtschreibung erklärt und erst mit der Reform von 1998 wieder in der Substanz verändert.

Über die Reform von Dudens Regelwerk wurde mit größter Heftigkeit gestritten – so ähnlich wie bei der gescheiterten 1. Orthographischen Konferenz. Die seit dreizehn Jahren geltenden neuen Regeln gelten als Folge des Streits der verschiedenen Lager bis heute als ein Kompromisswerk, das manche Widersprüche in sich trägt und wohl niemanden zu hundert Prozent zufrieden gestellt hat. Und es waren auch schon Überarbeitungen nötig. 2006 traten nach Empfehlung des Rechtschreibrats überarbeitete Regeln in Kraft, das Gremium beobachtet auch die weitere Entwicklung der Schriftsprache. Die kontinuierliche Arbeit an der Rechtschreibung ist ebenfalls ein Erbe Dudens: Als er 1911 mit 82 Jahren starb, lag auf seinem Schreibtisch das nahezu abgeschlossene Manuskript der neunten Duden-Auflage.

11/12/2015

Nikolaustag in Haslach – schauerlich schön

Wer zwischen dem 3. und 6. Dezember bei einbrechender Dunkelheit in Haslach unterwegs ist, der kann einer seltsam, ja unheimlich erscheinenden Gruppe begegnen: Durch die mittelalterlichen Gassen des Städtchens laufen der Bischof Nikolaus, ein Engel, der mächtige „Biggeresel“ sowie der Pelzmärtel und der finster drein schauende Ruprecht.

Nikolaustag in Haslach im Kinzigtal: Im Vordergrund Nikolaus und Engel, dahinter der weiße Biggeresel, der düstere Ruprecht und Pelzmärtel

Nikolaustag in Haslach im Kinzigtal: Im Vordergrund Nikolaus und Engel, dahinter der weiße Biggeresel, der düstere Ruprecht und Pelzmärtel

Die „Haslacher Nikolausgruppe mit dem Biggeresel“ zieht von Haus zu Haus – seit mehr als 100 Jahren.  „Ich klopfe an an Euer Haus, es kommt der Heilige Bischof Nikolaus“, mit diesen Worten kündigt sich St. Nikolaus mit seinem Gefolge an und drinnen in den Stuben warten ängstlich, aber auch erwartungsvoll die Kinder auf das Erscheinen dieser vorweihnachtlichen Gruppe.

Nikolaustag seit mehr als 100 Jahren

Bei einer bereits 1911 durchgeführten Xaveritagsfeier im Gasthaus „Kanone“, wo sich die Xaveri und Franz-Xaveri anlässlich ihres Namenstages versammelt hatten, traten diese Haslacher Nikolausgestalten bereits in Erscheinung.
Dieser Auftritt von Nikolaus und Biggeresel samt himmlischem Engel hatte damals sogar in der Heimatzeitung, der „Schwarzwälder Volksstimme“ Beachtung gefunden und ist bis heute der älteste schriftliche Nachweis zum Haslacher Nikolausbrauch, welcher in ähnlicher Form übrigens in den Gemeinden Steinach (Klausenbigger) und Unterentersbach (Bückesel) lebendig geblieben ist.

Heinrich Hansjakob erzählt

Will man mehr über den Nikolaustag in Haslach, vor allem im 19. Jahrhundert wissen, so tut man gut daran, beim Chronisten Schwarzwälder Lebens, beiHeinrich Hansjakob nachzuschlagen. Insbesondere in seinem Buch  „Aus meiner Jugendzeit“ hat er dieses Brauchtum beschrieben.

So schreibt Hansjakob:
“Nach der Kirchweih- und Herbstzeit gehen rauhe Winde über Feld und Gasse und der junge Erdenbürger ist vorübergehend auch kein Feind eines warmen Ofens, um seine erstarrten Hände zu wärmen. In diese Zeit fiel uns ein schauerlich schöner Festtag, der Tag des Heiligen Nikolaus – „Santiklaus-Tag“.
Er war in seinen Vorwochen ein Tag des Gebetes und halb freudigen, halb ängstlichen Harrens. Sobald es Nacht geworden am 5. Dezember, saßen die Kinder jeder Familie um den väterlichen Tisch, jedes sein Kerbholz vor sich liegend und unter Herzklopfen der Dinge wartend, die da kommen sollten. Wenn einst Posaunen zum Weltgericht blasen, können die Menschen nicht leicht mehr erschrecken als wir erschraken, wenn vor der Türe ein Kettengerassel die Ankunft des „Santiklaus“ verkündete. Und nun öffnete sich die Pforte und herein trat der Richter des Kinderhimmels…“

 29/01/2016

Vor der Hochzeit: Der Polterabend – Scherben bringen Glück!

Porzellan zerschlagen - Das gehört zu jedem Polterabend dazu!

Riesige Scherbenhaufen, jede Menge Gäste und eine tolle Party: Der Polterabend ist ein uralter Brauch, um sich aus dem Junggesellenleben zu verabschieden.

Junggesellenabschied oder Polterabend? Immer mehr Brautpaare entscheiden sich heute für den Trend aus Amerika und England: Getrennt voneinander feiern sie kurz vor der Hochzeit mit den engsten Freunden einen Junggesellenabschied – häufig mit verrückten Kostümen, lustigen Spielchen und jeder Menge Alkohol. Der Polterabend scheint unterdessen immer weiter in den Hintergrund zu treten, dabei ist er einer der ältesten Hochzeitsbräuche, die wir kennen. Verstaubt ist er deswegen noch lange nicht!

Wann?

Folgt man der Tradition, muss der Polterabend direkt am Abend vor der Hochzeit gefeiert werden. Das Brautpaar verabschiedet sich dann in der Regel gegen Mitternacht von der Feier, um am Tag der Hochzeit ausgeschlafen zu sein. Mittlerweile wird allerdings nur noch selten so kurz vor der Trauung gepoltert. Viele Paare laden einige Tage oder sogar ein bis zwei Wochen vor der Hochzeit dazu ein. Der Vorteil: Die Party endet für sie nicht so früh und das Risiko, am Hochzeitstag doch müde und verkatert zu sein, fällt weg.

Wo?

Ursprünglich wurde der Polterabend vor dem Haus der Brauteltern oder der Braut gefeiert. Auch diese Tradition hat sich aber inzwischen gewandelt. Nur die wenigstenBräute dürften kurz vor der Hochzeit noch im Haus ihrer Eltern wohnen und auch Bräute mit eigener Wohnung sind der Einzelfall. Die meisten Paare wohnen bereits zusammen. Fällt der Polterabend in kleinerem Rahmen aus, kann also in der gemeinsamen Wohnung, der Garage oder in einem Zelt im Garten gefeiert werden. Werden mehr Gäste erwartet, empfiehlt es sich, einen Saal zu mieten – zum Beispiel im Vereinsheim, einem Club oder von der Gemeinde.

Mit wem?

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Anders als beim Junggesellenabschied feiern beim Polterabend Braut und Bräutigam gemeinsam. Zudem ist die Gästezahl häufig sehr viel größer als bei der Bachelorparty. Der Polterabend bietet eine wunderbare Gelegenheit, um mit Bekannten zusammenzukommen, die aus Budget- oder anderen Gründen nicht zurHochzeitsfeier eingeladen sind. Dazu können Kollegen, Nachbarn, Vereinsmitglieder oder alte Schulfreunde gehören. Hier darf mitfeiern, wer möchte. Offizielle Einladungen werden nicht geschrieben. Das Brautpaar gibt meist lediglich Ort und Datum bekannt und öffnet die Party somit auch für überraschende Gäste.  Bei der Planung sollte das unbedingt bedacht werden!

Wie?

Viele Brautpaare organisieren ihren Polterabend selbst, in einigen Fällen übernehmen – ähnlich wie beim Junggesellenabschied – aber auch die Trauzeugen oder enge Freunde die Organisation. So oder so, der Polterabend ist eine sehr zwanglose Feier. EinenDresscode gibt es nicht und auch Geschenke für das Brautpaar sind nicht zwingend notwendig – aber auch kein No-Go. Was unbedingt zum Polterabend gehören sollte istMusik – wahlweise vom DJ oder einer Computer-Playlist  – sowie Getränke und Speisen. Traditionell wird am Polterabend eine Hühnersuppe aufgetischt, aber auch eine Grillstation im Sommer oder ein Buffet zu dem bei Bedarf jeder Gast etwas beitragen kann, sind möglich.

Der Höhepunkt des Polterabends

Der unbestrittene Höhepunkt eines jeden Polterabends ist natürlich das Poltern. AltesPorzellan, angeschlagene Keramikwaren – hier darf Geschirr nach Lust und Laune zerdeppert werden. Selbst Blumentöpfe, Fließen und Waschbecken sind gern gesehene Wurfgegenstände. Die Scherben sollen dem Brautpaar Glück bringen und böse Geister vertreiben. Nicht zerschlagen werden dürfen allerdings Gläser und Spiegel – das soll Pech bringen! Der Scherbenhaufen muss im Anschluss vom Brautpaar gemeinsam aufgefegt werden. Damit symbolisiert es, dass Herausforderungen auch in Zukunft zusammen gemeistert werden. Für das Poltern empfiehlt es sich, einen festen Bereich festzulegen – etwa eine Garageneinfahrt – um den Scherbenhaufen räumlich zu begrenzen. Wer besonders viel Gepolter erwartet, sollte vorab einen Container zur Entsorgung bestellen.

Die Polterhochzeit

Einige Paare sind mittlerweile dazu übergegangen, Polterabend und Hochzeit zusammenzulegen. Sie feiern eine sogenannte Polterhochzeit. Andere organisieren vor der Hochzeit sowohl einen Polterabend als auch einen Junggesellenabschied. Warum sollte sich beides auch ausschließen?

26/02/2016

In der Waschküche scheiden sich die Geister

Ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen und nur eine Waschküche: Da sind Konflikte oft schon vorprogrammiert. Mieter ärgern sich über ihre Mitbewohner, die die Waschküche unordentlich zurück lassen: Oder die Vorschriften zum Waschturnus führen zu einem Streit mit dem Vermieter.

Blick in eine Waschküche mit drei Maschienen.

Bildlegende:Geräumige Waschküche in der Überbauung «Les Hiboux» in Zürich. KEYSTONE

Da fragt man sich: Was darf der Vermieter überhaupt vorschreiben und welche Rechte und Pflichten haben Mieter? Kaum diskutieren muss man die Frage, wie man eine Waschküche zurück lässt. Das hat etwas mit Respekt und Anstand gegenüber seinen Mitmietern zu tun.

Schwieriger wird es bei rechtlichen Fragen: Wer zum Beispiel kommt bei Reparaturarbeiten für die Kosten auf? Eine Rechtsexpertin weiss, dass eine Kollektivhaftung, also die Abwälzung der Kosten auf alle Mieter rechtlich nicht zulässig ist. Sie gibt im «Treffpunkt» Antwort auf weitere Fragen und ordnet Erlebnisse und Geschichten der SRF1-Hörerschaft zum Zankapfel Waschküche rechtlich ein.

Wer mit einer eigenen Waschmaschine in seiner Wohnung der Konfliktzone Waschküche ausweichen will, darf nicht eigenmächtig handeln. Er braucht die Zustimmung des Vermieters. Diese Zustimmung wird nicht selten aus Lärmgründen verweigert weil dadurch die übrigen Mieter zu stark beeinträchtigt werden.

Kaum ein Ort generiert in einem Haus soviele Geschichten, wie die Waschküche. Schreiben Sie uns von Ihren Erfahrungen. Vielleicht haben Sie ein Waschküchenproblem auch kreativ lösen können. Das interessiert uns ebenso. Schreiben Sie ins Kommentarfeld unten oder schicken Sie uns ein Mail ins Studio.

Mike La Marr hat genug vom Waschküchenärger (lustiges Video) 🙂

https://youtu.be/qA8YZHPwivE

11/03/2016

Christi Himmelfahrt und Vatertag

Kreuz vor Himmel

CHRISTLICHE TRADITION UND HERRENTAGChristi Himmelfahrt und Vatertag

39 Tage nach Ostersonntag ist Christi Himmelfahrt, in Deutschland auch der offizielle „Vatertag“ und ein Feiertag, und oft – da er immer auf einen Donnerstag fällt – der Beginn für ein langes Wochenende.

In Deutschland wird Christi Himmelfahrt/Vatertag zunehmend als Familienfest gefeiert, um über das verlängerte Wochenende (mit Freitag als Brückentag, der in vielen Schulen frei gegeben wird) in den Kurzurlaub zu fahren.

 

Auch Motorrad-Gruppen-Touren sind an diesem Tag sehr beliebt!

Warum ist der Vatertag immer an Christi Himmelfahrt?

Schon im Mittelalter wurde Christi Himmelfahrt als Vatertag bezeichnet, allerdings im christlichen Sinne, da Jesus zu seinem Vater aufsteigt. Bittprozessionen waren damals üblich, d.h. man marschierte auf Feld und Wiese, um für eine gute Ernte und guten Ertrag zu beten.

Noch heute werden am Vatertag gerne Wanderungen in die Natur unternommen – die oft im Biergarten enden. Ordentlich getrunken wurde aber auch schon im 16. Jahrhundert. Schließlich entwickelte sich aus dieser Tradition die sogenannte „Herrenpartie“, bei der Jugendliche in die „Welt der Männer” eingeführt werden sollten, zu der natürlich auch Alkohol und Tabak zählte …

Eine typische Herrenpartie am Vatertag
Eine typische Herrenpartie am Vatertag: Mit einem Bollerwagen voller Bier

Auch eine Väterbewegung in den USA forderte ungefähr im selben Zeitraum ein Pendant zum „Muttertag“, der 1908 eingeführt worden war. Daher gab es ab 1910 den Vatertag in den USA, seit 1974 ist er dort ein offizieller Feiertag – fällt dort allerdings immer auf den 3. Sonntag im Juni.

In Deutschland erklärten ausgerechnet die Nazi 1936 den christliche Feiertag offiziell zum Vatertag.

Warum ist der Tag für Christen so wichtig?

Der Feiertag entstand aus der Schilderung im Neuen Testament nach Lukas und der Apostelgeschichte, nach denen Jesus nach seiner Auferstehung weitere 40 Tage bei seinen Jüngern weilte, sie lehrte und dann schließlich in den Himmel auffuhr. Laut der Christenlehre sitzt er dort zur „Rechten Gottes“.



Mit der Auferstehung hat Jesus Christus die Vereinigung von Gott und Mensch begründet und ist seitdem an der Seite von Gott und dem Heiligen Geist Teil der Dreieinigkeit.

Zunächst wurde Christi Himmelfahrt an Pfingsten gefeiert, seit 370 ist das Fest ein eigenständiger Feiertag. Gefeiert wird es am Donnerstag nach dem 5. Sonntag nach Ostern und liegt damit entweder im April oder im Mai. In der katholische und auch orthodoxen Kirche ist der Feiertag ein Hochfest, d.h. dass er sehr bedeutend ist.

Bräuche an Christi Himmelfahrt und Vatertag

Lange Zeit galt es an Christi Himmelfahrt nur Geflügel („fliegendes Fleisch) zu essen, da das dem Auffahren in den Himmel nahe kam.

Oft wurde im Gottesdienst eine Christusfigur zum Gewölbe aufgezogen aus dem es dann Blumen und Heiligenbilder regnete. In manchen Gegenden wurde aus dem Kirchengewölbe zudem eine Teufelsdarstellung gestürzt, die dann von der Gemeinde geschlagen wurde.

Auch für den Vatertag gibt es Bräuche, u.a. müssen die tatsächlichen Väter kein eigenes Bier mitbringen. Dies übernehmen die Junggesellen, die ihnen an diesem Tag die Last abnehmen. Es ist gesellschaftlich akzeptiert, dass sich an dem Tag ordentlich daneben benommen werden kann – das wird ordentlich ausgelebt.

29/04/2016

Helgoland – Urlaub auf dem roten Felsen mitten im Meer

Eigentlich ist es ein Wunder, dass Helgoland heute überhaupt noch existiert. Denn am 18. April 1947 wollten britische Soldaten die Militäranlagen der Insel zu sprengen. Dabei nahmen sie die Zerstörung der ganzen Insel in Kauf. Gewaltige Mengen von Torpedoköpfen, Wasserbomben, Granaten und Sprengstoff wurden entzündet. Doch trotz schwerer Schäden blieb Helgoland bestehen. Anschließend nutzte die britische Luftwaffe die Insel bis 1952 als Bombenabwurfplatz. Das alles ist heute Vergangenheit – die Insel lebt und ist ein beliebtes Touristenziel.

Helgoland: Mit dem Fahrstuhl vom Ober- zum Unterland

Helgoland liegt mehr als 40 Kilometer vom Festland entfernt in der Nordsee. Die Hauptinsel ist nur etwa einen Quadratkilometer groß und wird in Ober-, Mittel- und Unterland unterteilt, an vielen Stellen gibt es 50 Meter hohe Klippen. Wer vom Ober- zum niedriger gelegenen Unterland will, steigt zu Fuß die 184 Stufen – oder er nimmt einen eigens konstruierten Fahrstuhl.

Pinneberg und Lange Anna

Auf dem Oberland steht nicht nur der 35 Meter hohe Leuchtturm, der als einziges Gebäude den Zweiten Weltkrieg überstanden hat. Hier findet sich auf dem 61,30 Meter hohen Pinneberg auch die höchste Erhebung des Landkreises Pinneberg, zu dem Helgoland gehört. Außerdem steht an der Spitze des Oberlandes das Wahrzeichen der Insel, die Lange Anna. Der 47 Meter hohe Felsen aus Buntsandstein ragt hier aus dem Meer und lockt zahllose Touristen an.

Neben Seehunden und Robben

Teil von Helgoland ist die 0,7 Quadratkilometer große Insel „Düne“, die bis zu einer Sturmflut im Jahre 1721 direkt mit Helgoland verbunden war. Heute ist sie per halbstündlich verkehrender Fähre angebunden. Mit ihrem 1000 Meter langen feinsandigen Strand dient die Düne den Insulanern als Badeplatz. Die Menschen teilen sich den Strand an einigen Stellen mit Seehunden und Kegelrobben. Fossilienfans suchen nach dem Roten Feuerstein, den es nur hier gibt. Auf Helgoland wird der „rote Diamant“ zu Schmuck verarbeitet. Zwei Restaurants und ein kleiner Supermarkt sorgen dafür, dass kein Badegast hungern muss.

Zollfreier Einkauf auf Helgoland

Wer Helgoland besucht, der kommt natürlich auch wegen des zollfreien Einkaufs. Den gibt es, weil die Insel außerhalb des EU-Zoll- und des deutschen Steuergebietes liegt. Wieviel Sie einkaufen dürfen, erfahren Sie unter dem blau unterlegten Link mit den Zollbestimmungen für die Insel).

Bunte Hummerbuden am Hafen

Zu den Attraktionen der Insel gehören die bunten hölzernen Hummerbuden am Hafen, in denen die Fischer früher wohnten und arbeiteten. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie zerstört und 1952 orginalgetreu wieder aufgebaut. Die Holzhäuschen stehen unter Denkmalschutz und sind heute Unterkünfte für Kneipen, kleine Läden, Galerien und Cafés.

Der Leuchtturm strahlt bis zu den Ostfriesischen Inseln

Ein Wahrzeichen Helgolands ist der Leuchtturm, der im Krieg als Flakturm erbaut wurde und 1952 seine Arbeit als Leuchtturm aufnahm. Sein Licht ist bis zu den Ostfriesischen Inseln zu sehen. Ein Teil des Turms diente früher als Atombunker.

Bunkeranlage und Erinnerung an James Krüss

Auch die Reste der Bunkeranlage sind noch zu sehen. 400 Meter der kilometerlangen unterirdischen Anlagen kann man im Rahmen von Führungen besichtigen, die vom Helgoland-Museum angeboten werden. Auch Fans des berühmten Kinderbuchautors James Krüss (1926-1997) zieht es in dieses Museum, denn dort sind drei Hummberbuden mit Erinnerungen an James Krüss eingerichtet. Schließlich ist der Autor so wunderbarer Werke wie „Timm Thaler“ oder „Der Sängerkrieg der Heidehasen“ ein echter Helgoländer. Im Museum sind Manuskripte, CDs und vieles mehr zu sehen.

Zugvögel auf dem Lummenfelsen

2000 Betten für Touristen gibt es auf Helgoland, das zu allen Jahreszeiten reizvoll ist: Im Frühjahr und Herbst ist die Insel Rastplatz für zigtausende von Zugvögeln, die unter anderem auf dem Lummenfelsen brüten. 2000 Trottellummen sind hier zu sehen – kein Wunder, dass sie zum Charaktervogel von Helgoland geworden sind.

Helgoland: Infos für Besucher

  • Anreise: mit dem Schiff, z.B. dem Seebäderschiff ab Cuxhaven oder der Schnellfähre ab Hamburg, Wedel bzw. Cuxhaven (Fahrzeit 75 Minuten). Reedereien: u.a. Cassen-Eils (Fahrpläne unter cassen-eils.de), Helgoline (helgoline.de), mit dem Katamaran Halunder-Jet ab St. Pauli Landungsbrücken in Hamburg, Wedel und Cuxhaven: halunder-jet.de. Mit dem Flugzeug: Ab Heide/Büsum und Bremerhaven
  • Fahrpreis: je nach Saison und Anbieter 40 bis 48 Euro (Erwachsene) bzw. 20 bis 25 Euro (Kind bis 14 J.) für ein Hin- und Rückticket (Tagesausflug); Einfache Fahrt: 30-32 bzw. 15-16 Euro, Katamaran: 67,70 bis 115,20 Euro (33,90-57,60 Euro) je nach Reisezeit und Klasse (Hin- und Rückfahrt), einfache Fahrt: 50,80-85,60 (25,40-42,90 Euro)
  • Klima: wärmste Monate sind Juli und August (18 bis 18,5 Grad), kältester ist der Februar (3,3 Grad), Wassertemperatur im August bei 17 Grad
  • Museum Helgoland: Kurpromenade 8. (Von der Landungsbrücke rechts um das Hotel Atoll herum auf der Kurpromenade Richtung Schwimmbad. Museum liegt hinter dem Minigolfplatz). Geöffnet tgl. 10-14.30 Uhr, Erwachsene 4, Kinder 2 Euro. Bunker: Führung Mo-Sa, 16.30 Uhr, So, 10 Uhr. Anmeldung: Tel. 04725/813713, Eintritt 6,50, erm. 3 Euro. Internet: www.helgoland-museum.de
  • Fremdenverkehrsamt: Lung Wai 28, 27498 Helgoland, tel. 04725/81430, helgoland.de

Hier finden Sie weitere Tipps für Reisen an die Nordsee

27/05/2016

Spargel: Wann beginnt / endet die Spargelzeit?

Grundsätzlich beginnt die Spargelzeit, wenn es den ersten Spargel gibt. Und den ersten Spargel gibt es ungefähr Ende April. Das mag jetzt vielleicht ein bisschen banal klingen, aber einen festen Termin gibt es nunmal nicht.

Wann beginnt die Spargelzeit 2016 ?

Die Spargelernte ist vor allem vom Wetter abhängig. In manchen warmen Jahren fällt daher der Beginn der Spargelzeit früher aus, in manchen Jahren muss man etwas länger auf den ersten Spargel warten.

Die Spargelsaison 2015 begann in manchen Regionen Deutschlands dank des warmen Wetters etwas früher, als üblich. In Baden wurde bereits im Mitte März der erste Spargel gestochen.

Die Spargelsaison 2016 begann etwas später, als die des Vorjahres, obwohl der WInter wieder relativ mild war. In Beelitz bei Berlin wurde die  Offizielle Eröffnung der Beelitzer Spargelsaison 2016 am Donnerstag, den 14. April 2016  gefeiert – andernorts ging es schon zwei Wochen früher los. .Allerdings sei an dieser Stelle angemerkt: früher Spargel hat seinen Preis. Der erste Spargel ist natürlich immer etwas teurer, als der Spargel der Hauptsaison – aber das wird für die wahren Fans wohl einerseits bekannt sein – und andererseits kein Argument, nicht gleich beim ersten Spargel zuzugreifen.

Wann die Spargelsaison 2017 beginnt lässt sich zurzeit natürlich noch nicht sagen.

Wann endet die Spargelzeit 2016 ?

Wenn die Saison einmal begonnen hat stellt sich eigentlich nur noch die folgende Frage: Wie lange dauert die Spargelzeit? Traditionell geht die Spargelzeit bis zum Johannistag – dem 24.Juni. Danach wird eigentlich kein Spargel mehr gestochen.

Frischer Spargel Spargelzeit: frischer Spargel

Man könnte theoretisch auch noch weit über den 24. Juni hinaus Spargel ernten. Dann würde die Ernte im folgenden Jahr allerdings entsprechend mager ausfallen. Dieser ‚Stichtag‘ wird also eigentlich grundsätzlich von allen Spargelbauern quasi aus Eigennutz beachtet. So werden die Äcker geschont – und so kann auch im folgenden Jahr wieder eine reiche Spargelernte eingefahren werden.

Im Sommer 2013 wurde die Spargelsaison allerdings offiziell verlängert. Die Saison hatte wegen schlechten Wetters relativ spät begonnen, und im Juni gaben die Äcker noch genug Spargel her. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.

Sie können die Spargelzeit kaum noch abwarten ?

Tja – da geht es Ihnen genau wie mir. Und besonders schwierig wird das Warten, wenn man schon vor Beginn der eigentlichen Spargelernte im Supermarkt mit importiertem Spargel konfrontiert wird. Der sieht zwar auch immer verlockend gut aus, aber ich persönlich bevorzuge doch frisch geerteten regionalen Spargel. Das ist einerseits ökologisch sinnvoll, wegen der kurzen Transportwege – und andererseits ökonomisch sinnvoll, weil man die regionale Landwirtschaft unterstützt. Aber der wichtigste Grund ist vermutlich der Geschmack: frisch geernteter Spargel schmeckt einfach besser.

Spargel klassisch: Kartoffeln Schinken Butter IMG_2611

Spargel-Klassiker: mit Kartoffeln, Schinken, Butter und Petersilie

21/10/2016  DIE LITFASSSÄULE

SG #010: Die Litfaßsäule

Ich möchte Euch heute von einer Erfindung erzählen, die man hier in Deutschland überall sieht. Mittlerweile gibt es sie auch in anderen Städten auf der ganzen Welt. Ich rede von der Litfaßsäule. Falls Ihr nicht wisst, wovon ich rede – eine Litfaßsäule ist eine hohe Rolle, die mit Plakaten beklebt ist. Ein Foto von einer solchen Säule stelle ich Euch auf meine Internetseite www.slowgerman.com.

Vielleicht wusstet Ihr nicht, dass die Litfaßsäule eine deutsche Erfindung ist. Aber sie wurde erfunden von Ernst Litfaß. Er wurde 1816 in Berlin geboren und war von Beruf Drucker. Ihm fiel auf, dass die Berliner überall Plakate anbrachten. Und das war hässlich. Also schlug er vor, Säulen aufzustellen, damit die Bürger einen Platz für ihre Plakate hatten.

Jahrelang musste er verhandeln, bis er 1854 die Genehmigung bekam. Kurz darauf wurden die ersten hundert Säulen in Berlin aufgestellt. Darauf waren auch die neuesten Nachrichten der Stadt zu lesen und während des Krieges konnten sich die Bürger hier schnell informieren. Zehn Jahre lang durfte nur Ernst Litfaß diese Säulen aufstellen, deswegen trägt sie heute auch seinen Namen.

Heute stehen Litfaßsäulen in jeder deutschen Stadt. Man kann hier Werbung sehen für Konzerte oder Theaterstücke, oft werden ganze Spielpläne abgedruckt oder man wird informiert über die Öffnungszeiten des Zoos oder man erfährt, in welchem Freibad man schwimmen gehen kann. Viele Plakate sind so bunt und interessant, dass man unweigerlich stehen bleibt, um sie zu lesen. Natürlich gibt es in Deutschland auch Plakatwände, aber Litfaßsäulen nehmen viel weniger Platz weg. Ich habe sogar schon kleine Säulen gesehen, die sich drehen oder beleuchtet sind, und es gibt auch Säulen, in deren Innerem Telefone untergebracht sind.

18/11/2016 DENGLISCH

SG #011: Denglisch

Ich weiß, Ihr wollt Deutsch lernen. Aber für all die von Euch, die sowieso schon Englisch sprechen, ist das gar nicht nötig. Denn viele unserer deutschen Begriffe sind gar nicht Deutsch, sondern Englisch. Wir finden Dinge cool und ziehen zum Fitnesstraining gerne ein stylishes T-Shirt an. Manchmal werden Trainingsstunden gecancelt, aber das kann auch passend sein, wenn man sowieso zu einem Meeting muss, weil man gerade ein Startup gelaunched hat.

Englische Wörter zu benutzen und sie mit der deutschen Sprache zu verbinden, finden viele vor allem junge Deutsche toll. Man nennt das Denglisch. In den vergangenen Jahren hat sich die deutsche Sprache insgesamt sehr verändert. Wenn das Telefon kaputt ist, hat man früher den Kundendienst angerufen. Heute ruft man den Service oder Support an oder gleich die Hotline.

Viel lustiger finde ich allerdings, dass es auch Scheinanglizismen gibt. Das sind Begriffe, die zwar Englisch klingen, die aber kein Engländer oder Amerikaner versteht. Das bekannteste Wort ist das Wort Handy. In Deutschland ist das Handy ein Mobiltelefon. Und ein Beamer ist bei uns nicht etwa ein Auto, sondern ein Projektor, um beispielsweise Powerpoint-Präsentationen auf der Leinwand zu zeigen. Ein Dressman ist für uns hier ein schöner Mann, also ein männliches Model. Und ein Oldtimer ist ein sehr altes Auto. Ein Showmaster ist ein Moderator, jemand, der eine Fernsehshow präsentiert. Und in Deutschland gibt es auch nicht nur Teenager, sondern auch Twens. Das sind dann die Leute zwischen 20 und 30.

Seid Ihr jetzt komplett verwirrt? Müsst Ihr nicht sein. Denn jede Sprache ist ein Gemisch aus verschiedenen Einflüssen. Wir haben ein Rendezvous, trinken gerne Capuccino und machen danach eine Siesta. Oder? Trotzdem – ich freue mich, dass Ihr Deutsch lernt und werde auch in den nächsten Wochen versuchen, Euch dabei zu helfen.

16/12/2016 STERNSINGER

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Ich möchte Euch heute etwas über die Sternsinger erzählen. Das ganze ist eine sehr alte Tradition. Am 6. Januar finden viele verschiedene Dinge statt. Die orthodoxen Christen feiern an diesem Tag Weihnachtenbeziehungsweise Christi Geburt. Es ist aber auch das Dreikönigsfest. In Süddeutschland, Österreich und Sachsen-Anhalt ist dieser Tag ein gesetzlicher Feiertag, wir müssen also nicht arbeiten. Es ist aber auch ein besonderes Fest: An diesem Tag gehen Kinder von Haus zu Haus und singen. Dafür bekommen sie dann Geld, und dieses Geld wird gesammelt und für Hilfsprojekte gespendet.

Die Kinder sind verkleidet als die heiligen drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar. Mit geweihter Kreidezeichnen sie dann an die Türe oder über die Türe die Botschaft „20* C+M+B 08“. Das steht angeblich nicht für die Anfangsbuchstaben der drei Könige, sondern für den lateinischen Spruch „Christus mansionem benedicat“, also „Christus segne dieses Haus“. Das Haus soll also geschützt sein vor Unglück – ebenso natürlich die Bewohner.

In Deutschland sind die Sternsinger die weltweit größte organisierte Hilfsaktion von Kindern für Kinder. Dieses Jahr haben eine halbe Million Kinder mitgemacht. Im vergangenen Jahr wurden bei der Aktion 38,8 Millionen Euro gesammelt. Die Hälfte des Geldes wird für die Bildung ausgegeben, ein Fünftel ungefähr für die Rehabilitation von Kindern, und acht  Prozent immerhin an die Evangelisierung von Kindern in der ganzen Welt. Denn ich darf natürlich nicht vergessen zu sagen, dass die Sternsinger im Namen der katholischen Kirche unterwegs sind. Sie wurden sogar von Papst Benedikt gesegnet. Sogar ans Schloss Bellevue, dem Sitz des deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler, wurden die Kreidezeichnungen angebracht.

Dieses Jahr ist das Motto der Sternsinger „Sternsinger für die Eine Welt“.

20/1/2017  UMZUG

SG #022: Umzug

Heute möchte ich Euch etwas über einen Umzug erzählen. Denn ich ziehe um, von meiner alten Wohnung in München-Schwabing in eine neue Wohnung, gar nicht weit entfernt.

Wenn man umziehen möchte, dann herrscht das Chaos. Es gibt so viel zu tun! Zunächst muss man eine neue Wohnung finden, das geht in Städten wie München meistens nur mit einem Makler. Dieser Makler ist der Vermittler zwischen Vermieter und Mieter. Dafür muss der Mieter ihn bezahlen, meistens mit zwei Monatsmietender neuen Wohnung. Man nennt das Provision oder Courtage. Das ist eine Menge Geld, aber es ist noch nicht alles. Wenn man in eine neue Wohnung einzieht, muss man eine Kaution hinterlegen. Das bedeutet, dass man dem Vermieter Geld gibt, das dieser auf einem separaten Konto aufbewahrt. Meistens sind dies bei einer großen Wohnung rund 3000 Euro. Dieses Geld bekommt man wieder, wenn man auszieht. Falls man in der Wohnung aber etwas zerstört hat, kann der Vermieter das Geld behalten, um den Schaden zu reparieren.

In München kostet eine Wohnung ungefähr zehn Euro pro Quadratmeter und pro Monat. 100 Quadratmeter kosten also mindestens 1000 Euro im Monat. Wenn die Lage der Wohnung besonders gut ist, kann es auch mal doppelt so teuer werden. Dazu kommen dann noch die Heiz- und Stromkosten und viele andere Gebühren, zum Beispiel für Kabelfernsehen. Eine Wohnung zu finden ist gar nicht so einfach. Das Internet und Kleinanzeigen in Zeitungen helfen bei der Suche. Dann muss man auf viele Dinge achten. Ist die Lage gut? Gibt es in der Nähe eine S-Bahn oder U-Bahn oder einen Bus? Gibt es Parkplätze? Hat die Wohnung eine Küche oder muss man erst selber eine kaufen? Ist es ein Altbau oder Neubau? Ist es laut in der Wohnung, weil sie an einer großen Straße liegt? Darf man Haustiere halten?

Wenn man dann in die neue Wohnung einziehen möchte, kann man sich Hilfe holen. Zum Beispiel bei einer Spedition. Da kann man Möbelpacker damit beauftragen, die schweren Kisten zu tragen. In meinem Fall ist das praktisch, denn ich ziehe in den dritten Stock, ohne Lift. Aber auch das kostet natürlich Geld.

Und dann ist da noch der Papierkram. Also die offizielle Seite des Umzugs. Man muss sich beim Einwohnermeldeamt melden und hier Bescheid geben, dass man umzieht. Das Einwohnermeldeamt ist eine große Behörde, die alle deutschen Bürger und deren Wohnsitz festhält. Dann muss die Post benachrichtigt werden. Man kann einen Nachsendeauftrag stellen. Dadurch bekommt man noch ein halbes Jahr nach dem Umzug die Post, die bei der alten Adresse landet, automatisch an die neue Anschrift weitergeleitet. Auch das kostet natürlich Geld. Und dann ist da noch das Telefon, man möchte in der neuen Wohnung ja schließlich auch Telefon und Internet haben. Dann wollen Versicherungen neu abgeschlossen werden, Freunde und Familie müssen die neue Adresse erfahren, die alte Wohnung muss frisch gestrichen und geputzt werden, die Bank muss Bescheid wissen, dass die Miete ab sofort auf das Konto eines anderen Vermieters überwiesen wird, und so weiter, und so fort. Ich habe eine lange Liste mit Dingen hier, die ich noch erledigen muss. Ich ziehe nämlich Mitte März um. Drückt mir die Daumen, dass alles gut geht!

17/2/2017 ZEITUNGEN

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Einen schönen Gruss an Tessa – sie hat mich so geschimpft, dass ich keine neue Episode mehr gemacht habe, dass ich sofort eine aufgenommen habe!

Anna lebt in Berlin und würde gerne eine Zeitung lesen. Sie hat mich gefragt, welche deutschen Zeitungen es auf dem Markt gibt. Natürlich kann ich Euch nicht alle Zeitungen vorstellen, aber ich hoffe, dass ich die wichtigsten nennen kann und ihre Unterschiede.

Zunächst einmal gibt es einen Unterschied in der deutschen Sprache zwischen Zeitung und Zeitschrift. Eine Zeitschrift ist ein Magazin, also ein kleines, buntes Heft. Meistens erscheint es nur ein Mal pro Woche oder pro Monat. Eine Zeitung ist viel größer und kann auch täglich erscheinen.

Ich spreche erst einmal über die Zeitungen. Da gibt es einen Unterschied: Es gibt regionale und überregionaleZeitungen. Regionale Zeitungen erscheinen in einem kleinen Gebiet, sie berichten hauptsächlich über dieses Gebiet. Also zum Beispiel gibt es das Göttinger Tageblatt oder die Berliner Morgenpost. In diesen Zeitungen kann man viele Informationen lesen über Göttingen oder Berlin. Das ist für Menschen, die dort leben, sehr interessant. Für mich in München allerdings bringt das wenig. Außerdem gibt es die meisten dieser Zeitungen nur in der jeweiligen Region zu kaufen.

Mich interessieren überregionale Zeitungen, also Zeitungen, in denen viele Nachrichten aus aller Welt stehen. Diese Zeitungen gibt es in ganz Deutschland zu kaufen. Man kauft Zeitungen entweder am Kiosk oder im Supermarkt, oder auch an Tankstellen. Und es gibt stumme Verkäufer, also Zeitungsautomaten, wie ich in Folge 13 erklärt habe.

Die wohl bekannteste überregionale Zeitung in Deutschland ist die Bild-Zeitung. Sie ist eine Boulevardzeitung. Im englischen Raum nennt man das Yellow Press. Sie kostet nicht viel, ist dünn und schnell auf dem Weg zur Arbeit durchgeblättert. Die Bild-Zeitung gibt es seit 1952 und sie ist die Zeitung mit der größten Auflage in ganz Europa. 3,3 Millionen Exemplare werden von ihr jeden Tag gedruckt. Oft geht es hier um Skandale von Prominenten oder Ähnliches. Im gleichen Verlag, dem berühmten Axel-Springer-Verlag, erscheint auch die Welt.

Mehr Niveau hat die Süddeutsche Zeitung. Sie wird in München hergestellt und existiert seit 1945. Jede Zeitung ist in verschiedene Ressorts unterteilt, so auch die SZ. Es gibt die Nachrichten, den Sport-Teil, das Feuilleton, also die Kultur, einen Serviceteil mit Hinweisen auf Kulturveranstaltungen und ähnlichem und natürlich auch
den Wirtschaftsteil mit aktuellen Börsenkursen. Die Süddeutsche Zeitung gilt als politisch linksliberal und kritisch.

Sehr bekannt ist auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung, deren Berichterstattung eher konservativ ist. Besonders ist dagegen die taz aus Berlin. Die Abkürzung taz steht für „Tageszeitung“. Von ihr werden nur rund 50.000 Exemplare gedruckt. Sie ist etwas kleiner als andere Tageszeitungen und gilt als politisch links-alternativ.

Was die Zeitschriften angeht, also die Magazine, so gibt es vor allem drei, die in Deutschland eine Rolle spielen. Der Spiegel erscheint jeden Montag. Er wurde 1947 gegründet. Seine Journalisten sind sehr angesehen, und die Schwerpunkte Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sind fundiert recherchiert. Der Stern ist etwas bunter, hier geht es oft auch um Fotostrecken oder weniger brisante und intellektuelle Themen. Relativ neu dazugekommen ist 1993 der Focus. Er sollte eine Konkurrenz zum Spiegel sein und ist weitaus konservativer. Nach wie vor lesenmehr Deutsche den Spiegel als den Focus.

So, das waren natürlich nicht alle deutschen Zeitungen. Es gibt auch noch die Frankfurter Rundschau und die sehr gute, einmal in der Woche am Donnerstag erscheinende „Zeit„, die ich sehr empfehlen kann. Aber ich glaube, Ihr habt einen guten Überblick bekommen. Übrigens gibt es in großen Städten nochmal eigene Regionalzeitungen, wie vorher angedeutet. In München zum Beispiel gibt es die tz, die Abendzeitung und den Münchner Merkur. Jede Zeitung hat ihre eigene Ausrichtung, und daher kann man an den Lesern jeweils ungefähr abschätzen, welche politische oder gesellschaftliche Ausrichtung sie haben.

31/3/2017 ASCHERMITTWOCH
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Heute ist Aschermittwoch , ein christlicher Feiertag. Wir müssen aber trotzdem an diesem Tag arbeiten, sogar im katholischen Bayern.Der Aschermittwoch ist der Beginn der Fastenzeit. Ab heute werden die gläubigen Christen und auch einige andere Menschen 40 Tage lang fasten. Also nichts essen. Das soll sie daran erinnern, dass Jesus 40 Tage in der Wüste verbracht hat. Bis Ostern dauert diese Fastenzeit, genauer gesagt bis zum Karsamstag.

Gläubige Christen gehen heute in die Kirche und bekommen vom Pfarrer ein Kreuz aus Asche auf die Stirn gemalt. Ich selber bin kein religiöser Mensch, daher kann ich Euch darüber nicht mehr erzählen.

Interessant ist der Aschermittwoch aber auch für mich, und zwar weil es den so genannten politischen Aschermittwoch gibt. Das ist eine bayerische Erfindung, denn schon vor 500 Jahren haben sich die Bauern an diesem Tag getroffen und über Politik geredet. Später gab es Kundgebungen, und heute haben alle politischen Parteien heute eine große Veranstaltung. Da kommen alle wichtigen Politiker zusammen, und es werden flammende Reden gehalten. Das wird sogar im Fernsehen übertragen.

Traditionell gibt es am Aschermittwoch ein großes Fischessen, das auf die Fastenzeit einstimmen soll. Man könnte aber auch sagen, der Aschermittwoch hat eher was mit einem Kater zu tun als mit einem Fisch. Denn bis heute wurde in Deutschland Fasching gefeiert. Das fing offiziell am 11.11., also am 11. November, um 11 Uhr 11 an. Der richtige Start war dann am 6. Januar, dem Dreikönigstag. Und seitdem haben sich die Menschen verkleidet und gefeiert. Das hängt zusammen mit der heidnischen Winteraustreibung. Da hat man versucht, die Wintergeister zu vertreiben, damit es endlich Sommer wird.

Heute feiert man das auch noch, und vor allem in katholischen Gegenden geht es hoch her. In Bayern allerdings weniger, die Hochburgen sind zum Beispiel Köln und Mainz. Eine Woche lang ist es bunt und laut. Es beginnt am unsinnigen Donnerstag, auch schmutziger Donnerstag oder Weiberfasching genannt. Dann kommt der Rosenmontag und der Faschingsdienstag. Da ziehen die Menschen mit lauten Musikkapellen durch die Gegend. Und sie trinken eine Menge Alkohol. Davon bekommt man bekanntlich einen Kater, also böses Kopfweh. In manchen Gegenden Deutschlands heißt der Fasching übrigens auch Fastnacht oder Karneval.

28/4/2017 FERNSEHEN

SG #055: Fernsehen

 

Toshada und viele andere von Euch haben mich gebeten, über das Thema Fernsehen in Deutschland zu sprechen. Gerne!

Könnt Ihr Euch vorstellen, dass schon 1929 ein regelmäßiges Fernsehprogramm ausgestrahlt wurde? Zwar noch in schlechter Auflösung, aber immerhin! 1936 wurden die Olympischen Sommerspiele im Fernsehen gezeigt, ein großes Ereignis für das Dritte Reich. Natürlich war damals noch alles schwarz-weiß zu sehen. Das Farbfernsehengab es in Deutschland erst ab 1967 für alle Zuschauer, die ein passendes Gerät hatten. Heute haben 95% der deutschen Haushalte ein Fernsehgerät.

Zu Beginn war Fernsehen Luxus – und eher langweilig. Denn es gab nur wenige Fernsehsender und diese sendeten auch nur kurze Zeit. Sogar als ich ein Kind war, war das Fernsehen noch ganz anders als heute. Nachts gab es nur ein Testbild zu sehen, eine bunte Grafik, und die Sender haben sich ausgeschaltet. Es gab die beiden großen öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, die dritten Programme, das sind Regionalsender für jedes Bundesland, und erst ab 1984 gab es auch private Fernsehsender in Deutschland. Am bekanntesten sind hier RTL, SAT1 und ProSieben. Weil es am Anfang so wenige Sender gab, wurden sie von den Zuschauern nummeriert – und dieses Phänomen gibt es noch heute. Die ARD heißt „Das Erste“, mit dem Zweiten meint man das ZDF, das Zweite Deutsche Fernsehen, und die Dritten sind die Regionalprogramme.

ARD und ZDF sowie die Dritten finanzieren sich größtenteils aus Rundfunkgebühren. Jeder Deutsche, der Geld verdient und einen Fernseher hat, zahlt dafür Gebühren an die so genannte GEZ. Abends ab 20 Uhr dürfen diese Sender keine Werbung mehr zeigen. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben einen Bildungsauftrag, sie sollen vor allem Information bieten. Heute leisten sie aber auch einen Beitrag zur Unterhaltung. Am Freitagabend gibt es in den Dritten gute Talkshows wie „3 nach 9“ oder die „NDR Talkshow“, am Samstagabend gibt es Unterhaltungsshows und am Sonntag Abend in der ARD den „Tatort“, den wohl berühmtesten deutschen Kriminach „Derrick“. Am Sonntag läuft auch die „Lindenstrasse“, eine wöchentliche Serie, die seit 1985 läuft. Es gibt drei große deutsche Talkerinnen, sie sind allesamt sehr gute Journalistinnen: Anne Will, Maybrit Illner und Sandra Maischberger. Für Kinder produziert die ARD auch wunderbare Sendungen, zum Beispiel die berühmte „Sendung mit der Maus“, eine Wissenssendung, die auch viele Erwachsene sehen.

Die privaten Sender finanzieren sich ausschließlich aus Werbeeinnahmen. Es gibt vor allem zwei große Konzerne in Deutschland, die Fernsehen machen: Die ProSiebenSat1 Media AG hat ihren Sitz in München, und zu ihr gehören vier Fernsehsender. Wie der Titel schon sagt sind das ProSieben, Sat1, dazu noch kabel eins wo viele amerikanische Sitcoms laufen und N24, ein Nachrichtensender.

Die zweite große Firma ist die RTL Group in Köln, zu ihr gehören der Sender RTL, der Nachrichtensender n-tv und Teile von RTL2, VOX und Super RTL. RTL startete 1992 die erste deutsche Seifenoper, also eine Soap. Sie heißt „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, und läuft täglich im Fernsehen. Seit einigen Jahren gibt es auch Telenovelas in Deutschland. Abends laufen aber meistens die großen amerikanischen Serien wie „Dr. House“, „Desperate Housewives“ und so weiter, sie sind alle ins Deutsche übersetzt und synchronisiert.

Es gibt noch viele andere Sender, zum Beispiel Musiksender wie MTV oder VIVA, wir empfangen CNN und in manchen Gegenden die BBC. Ich selber habe Kabelfernsehen, mein Fernsehprogramm kommt also aus der Steckdose. Ich habe 34 Sender zur Auswahl, das meiste davon ist Quatsch, wie zum Beispiel Shoppingsender. Man kann aber auch eine Satellitenschüssel installieren, dann hat man eine größere Auswahl an weltweiten Angeboten. Oder man nutzt Pay-TV und bezahlt für eine Settop-Box, dann kann man ebenfalls weitere Kanäle sehen. In Deutschland hieß der Pay-TV-Anbieter bis vor kurzem Premiere, jetzt heißt er Sky.

Rein subjektiv kann ich euch sagen, dass ARD und ZDF qualitativ meistens gute Sendungen machen, allerdings oft für ein älteres Publikum. Dort laufen also auch Volksmusiksendungen am Abend. Die beste Sendezeit beginnt bei uns übrigens um 20.15 Uhr, denn um 20 Uhr läuft die bekannteste Nachrichtensendung Deutschlands, die Tagesschau, die es übrigens auch als Podcast gibt. RTL macht hauptsächlich Unterhaltung, dort laufen Spielfilme und die Sendungen „Wer wird Millionär“ oder „Deutschland sucht den Superstar“, die aus dem amerikanischen kopiert wurden. „Deutschland sucht den Superstar“ heißt im Original „American Idol“. Sat1 und ProSieben liefern ebenfalls Spielfilme und Unterhaltungsshows, momentan ist ProSieben bekannt dafür, Formate wie „Popstars“ oder Heidi Klums Topmodel-Show auszustrahlen. Derzeit sind überhaupt Casting-Formate der große Renner in Deutschland. Sie machen Quote, das bedeutet: Die Einschaltquote ist hoch, viele Menschen sehen diese Sendungen.

Die wohl bekannteste deutsche Sendung ist allerdings keine amerikanische Kopie, sondern eine rein deutsche Idee: „Wetten, dass…?“. Es gibt sie seit 1981. In der Sendung schließen Menschen Wetten ab. Das sind oft kuriose Dinge. Zum Beispiel hat ein Mann gewettet, dass er schneller eine Schüssel Wasser austrinken kann als sein Hund. Als Wettpaten werden Prominente eingeladen. Sie sagen dann: Ja, der Mann schafft das. Oder: Nein, er schafft es nicht. Wenn sie verlieren, müssen sie etwas tun – zum Beispiel in Frauenkleidern auftreten oder durch einen brennenden Reifen springen. Thomas Gottschalk moderiert diese Sendung seit 1987. Er ist damit der bekannteste Showmaster Deutschlands. Welche wichtigen Menschen gibt es in der deutschen Fernsehlandschaft noch? Zum Beispiel Günther Jauch. Er moderiert „Wer wird Millionär“ und „Stern.TV“, ein journalistisches Magazin. Er ist so beliebt in Deutschland, dass er bei Umfragen immer zum Bundespräsidenten gewählt wird. Frech und sarkastisch ist Harald Schmidt, der  lange als Nighttalker aktiv war in der Rolle, die in den USA Jay Leno und David Letterman innehaben. Es gibt noch viele andere, Stefan Raab, Johannes B. Kerner, Jörg Pilawa, Oliver Pocher, Reinhold Beckmann. Aber für heute habe ich genug erzählt. Ihr merkt schon, man kann viel zu diesem Thema sagen! Wenn Ihr Lust auf deutsches Fernsehen habt: ARD und ZDF haben eine Mediathek, in der man im Internet stöbern kann. Und alle Sender haben mittlerweile eigene Sendungen oder Teile davon als Podcast ins Internet gestellt. Die Sendung mit der Maus kann ich Euch wärmstens empfehlen!

Jetzt aber wieder Musik, und zwar von den Liedermachern „Simon & Jan“. Das Stück heißt „Die Tafel“ und ist auf MySpace zu finden: http://www.myspace.com/simonundjan

26/5/2017  DEUTSCHE KUNST

SG #046: Deutsche Kunst

Vor einiger Zeit war ich im Franz-Marc-Museum in Kochel. Weil Sara mich gebeten hat, über deutsche Kunst zu sprechen, werde ich das heute tun. Ich werde Euch etwas erzählen vom Blauen Reiter.

Der Blaue Reiter war ein Künstlerkreis in München. Gegründet wurde er von Franz Marc und Wassily Kandinsky 1911. Sie wollten die festgefahrenen Traditionen der akademischen Malerei befreien. Mit dabei waren auch August Macke, Alexej von Jawlensky und Kandinskys Lebensgefährtin Gabriele Münter. Sie alle sind bis heute berühmte Künstler, deren Werke in vielen Museen weltweit zu sehen sind. Gemeinsam brachten sie einen Almanach heraus und organisierten Ausstellungen.

Die abstrakten, farbenfrohen und oft grafisch wirkenden Bilder von Wassily Kandinsky sind bis heute auf Postern, Postkarten und allen möglichen anderen Gegenständen zu sehen. Er ist eigentlich schon fast ein Pop-Art-Künstler, auch wenn er natürlich offiziell nicht zu dieser Gruppe gehört. Franz Marc ist berühmt geworden durch seine immer weiter verfremdeten Bilder von Pferden und anderen Tieren.

Besonders interessant ist es, wenn man in Bayern nach den Spuren dieser Künstler sucht. Zum Beispiel lebten sie lange in Schwabing, genauer gesagt in der Ainmillerstraße. Schwabing ist ein Stadtteil von München, der in den 20er-Jahren berühmt war für seine Künstlerateliers. Hier in den Kneipen trafen sich berühmte Autoren und Maler. Wenn die Künstler genug hatten von der Stadt, gingen sie aufs Land. Franz Marc und Kandinsky ließen sich in Murnau nieder, am Kochelsee. Es ist wunderschön dort – man fährt von München aus gut eine Stunde mit dem Auto Richtung Süden und in die Alpen hinein. Und dort steht dann zum einen das so genannte Russenhaus, in dem Kandinsky und Münter lebten, und das gerade modernisierte und erweiterte Franz-Marc-Museum.

Es ist tragisch, dass einige dieser interessanten Künstler so jung gestorben sind. Franz Marc und August Macke fielen im Ersten Weltkrieg, Marc war gerade mal 36 Jahre alt. Kandinsky ging zurück nach Rußland und lebte später in Paris, wo er 1944 starb. Der Blaue Reiter existierte nicht mehr, und München war nicht länger eine internationale Kunst- und Kulturhauptstadt.

Wenn Ihr nach München kommt, dann müsst Ihr unbedingt in das Lenbachhaus gehen. Das Lenbachhaus ist mein Lieblingsmuseum. Es ist eine schöne Villa, die beinahe so aussieht, als stünde sie in der Toskana. Dabei liegt sie mitten in München, gleich in der Nähe des Königsplatzes. Hier sind viele Bilder des Blauen Reiter zu sehen, viele davon wurden von Gabriele Münter der Stadt München geschenkt. Im Moment ist eine Kandinsky-Sonderausstellung hier zu sehen, die später in diesem Jahr nach Paris weiterzieht und nach New York.

Was die deutsche Kunstszene heute macht? Sie ist weiterhin lebendig. Es gibt einige große Namen, hauptsächlich allerdings sind es Männer. Zum Beispiel Jörg Immendorff und Georg Baselitz. Ich empfehle Euch die Werke von Gerhard Richter, vor allem die älteren Gemälde von ihm.

 

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